Gründung
Im September 1922 Gründung der HISTORISCHEN VEREINIGUNG SEENGEN durch den Seenger Bezirkslehrer Dr. Reinhold Bosch
Aus ihr entstand die HISTORISCHE VEREINIGUNG SEETAL
Nach Einbezug angrenzender Gebiete wurde sie schliesslich schon 1925 zur HISTORISCHEN VEREINIGUNG SEETAL UND UMGEBUNG in ihrer heutigen Form
1922 – 1943
In dieser Zeit widmete sich die Vereinigung vor allem zwei Tätigkeiten:
Ausgrabung und Freilegung archäologischer Fundstellen, Sondierungen an mittelalterlichen Bauten, Dokumentation und Konservierung der Funde.
Bearbeitung und Dokumentation der noch wenig erforschten Ortsgeschichten.
Der Vorstand arbeitete von Anfang an mit Fachpersonen im In- und Ausland zusammen und 1926 erschien die erste Jahresschrift «Heimatkunde aus dem Seetal».
Ufersiedlungen (Moordörfer) und Grabhügel
1923 entdeckten die Pioniere der Vereinigung das Moordorf auf der Halbinsel Riesi bei Seengen. Ein spätbronzezeitliches Haus wurde ausgegraben. Zahlreiche Funde wurden konserviert. Einige davon sind heute im Museum Burghalde, Lenzburg, ausgestellt. Die Entdeckung dieser Siedlung war damals eine Sensation und verhalf unserer Vereinigung zum Durchbruch. Am Hallwilersee und am Baldeggersee wurden weitere Ufersiedlungen entdeckt und zum Teil ausgegraben. Heute gehören sie alle zu den UNESCO-Welterbestätten.
Bald entwickelte sich Sarmenstorf zu einem weiteren Hotspot. Zwischen 1925 und 1928 wurden im Grabhügelfeld im Zigiholz oberhalb des Dorfes sechs der 21 Grabhügel aufgedeckt. Nach heutigem Forschungsstand werden die Grabhügel in die Mittelbronzezeit datiert (etwa 1500−1300 v. Chr.). Weitere Grabhügel wurden anfangs der 1930er Jahre in Seon im Niederholz und Fornholz ausgegraben.Römische Zeugen
Die allererste Ausgrabung erfolgte in Seengen bei der im Boden verborgenen römischen Villa im Markstein östlich der heutigen Strasse nach Sarmenstorf. Um die nötigen finanziellen Mittel für weitere Vorhaben dieser Art zu beschaffen, wurde anschliessend die Historische Vereinigung Seengen gegründet.
Bedeutend war die Ausgrabung der römischen Villa im Murimooshau von Sarmenstorf. Seit 1925 wurde das Hauptgebäude des Gutshofes als „Steinbruch“ für den Bau von Waldwegen benutzt. Dies veranlasste die Historische Vereinigung sich für den Schutz und die Erforschung der Römervilla einzusetzen. Mit zahlreichen Freiwilligen wurde die Villa 1927 freigelegt. Danach wurden die Mauern grösstenteils wieder zugeschüttet. Der mit einem mächtigen Schutzbau überdachte Badetrakt wurde konserviert und ist seither für Besuchende zugänglich. Die Anlage steht im Eigentum der Historischen Vereinigung Seetal und Umgebung. Später wurde bei der Kirche Seengen, die am Platze einer römischen Villa steht, ein römisches Mosaik entdeckt und teilweise konserviert. Ein kleiner Teil davon kann heute östlich des Pfarrhauses Seengen besichtigt werden. Im Wald von Seon kam im «Biswind» ein Ökonomiegebäude aus der Römerzeit zum Vorschein. Die Mauern wurden freigelegt, untersucht und und anschliessend wieder eingedeckt.Erforschung und Sondierungen an mittelalterlichen Bauten
In Seengen waren Forschungen im Burgturm, dem Pfarrhaus und am Herzighaus an der Poststrasse bedeutend. In allen Seetaler Gemeinden wurden markante Bauten, alte Bauernhäuser und historische Marksteine dokumentiert. Die noch vorhandenen ehemaligen Landmarksteine zwischen dem Seetal im ehemaligen Berner Aargau und dem Freiamt zwischen Seengen, Sarmenstorf und Bettwil wurden gesichert und restauriert. Es wurde gezielt nach Burgen und Kapellen gesucht, die in mittelalterlichen Quellen genannt werden, heute aber nicht mehr existieren. In Alt Eschenbach an der Reuss fand man aufgrund von Sondierungen Mauerwerk, das konserviert wurde. Sondierungen, Forschungen und Sicherungsarbeiten wurden an der Ruine Nünegg, Lieli/LU und am Megalithturm in Richensee/LU durchgeführt. Von Bedeutung war die Bauforschung bei Kirchen in Seengen, Egiswil, Leutwil, Birrwil, Ammerswil, Sarmenstorf und Oberschongau. Die Historische Vereinigung engagierte sich für Schutz, Dokumentation und fachgerechte Erhaltung prägender Bausubstanz in den Dörfern. Sie versuchte durch Berichterstattung in den Medien und mittels Führungen auf Ausgrabungsstätten und bei bedeutenden Denkmälern Behörden und Bevölkerung zu überzeugen.
1943 etablierte der Kanton Aargau die Kantonsarchäologie mit Sitz in Brugg. Dr. Reinhold Bosch, Initiant und Präsident der Historischen Vereinigung Seetal und Umgebung, wurde vom Regierungsrat des Kantons Aargau zum ersten Kantonsarchäologen gewählt. Inzwischen war es aufgrund des Gesetzes nicht mehr möglich, dass Vereine und Privatpersonen in eigener Kompetenz Ausgrabungen durchführen konnten, sich Funde aneignen und/oder damit handeln durften. Die neuen Fachstellen der Kantone übernahmen Hauptaufgaben, welchen sich bisher die Historische Vereinigung seit ihrer Gründung widmete.
1944 - 2015
Die Historische Vereinigung Seetal und Umgebung engagiert sich seither in Zusammenarbeit mit Kantonsarchäologie und Denkmalpflege bei der Pflege und dem Unterhalt der Denkmäler. In Seengen etablierte sich unter Führung von Reinhold Bosch die Steinzeitwerkstatt. Dort wurde Urgeschichte aktiv vermittelt, u. a. mit der Nachbildung von Ausgrabungsfunden aus den Moordörfern am Hallwiler- und Baldeggersee. 2012 wurde die Steinzeitwerkstatt in einen eigenen Verein überführt. Ausgrabungen und Sondierungen fanden noch bei den Ruinen Grünenberg und Oberrinach im luzernischen Seetal statt und bei der bronzezeitlichen Höhensiedlung auf dem Kestenberg bei Wildegg. Diese Arbeiten waren nur möglich, da sie unter der Obhut unseres Präsidenten standen, dem aargauischen Kantonsarchäologen. 1944 konnte die Bettwiler Gesellschaftsscheibe von 1561 aus dem Handel erworben und dem Kanton Aargau übergeben werden. Seit Herbst 2000 ist die farbige Glasscheibe auf Initiative der Historischen Vereinigung wieder zurück in Bettwil. Im Jahre 1950 übernahm der Kanton Luzern das Schloss Heidegg. Seither ist es ein kantonales Museum. Die Vereinigung Pro Heidegg führt seither im Auftrag des Kantons Luzern den Schlossbetrieb. Unsere Vereinigung engagierte sich bis 2023 im Vorstand der Pro Heidegg. 1950 drohte der alten Kirche Oberschongau am Lindenberg der Abbruch. Diesen konnte die Historische Vereinigung zusammen mit dem Innerschweizer Heimatschutz abwenden. Die Kirche wurde restauriert und in eine Stiftung überführt. Unsere Vereinigung ist im Stiftungsrat «alte Kirche Oberschongau» vertreten. 1973 übernahm die Vereinigung die Projektleitung für die Rekonstruktion des Wasserrades bei der Schlossmühle Hallwyl nach früheren Plänen und Fotos. Bald nach1926 verschwand das Wasserrad, angeblich weil beim Anblick des sich drehenden Rades die Pferde scheuten! Seit Sommer 1974 dreht sich das Rad der Schlossmühle wieder. In Sarmenstorf wurde 1979 ein Fruchtspeicher von 1673 versetzt und konnte so der Nachwelt erhalten werden.
Vermehrt widmete man sich auch Orts- und Familiengeschichten und publizierte Aufsätze dazu in den Jahresschriften. Weiterhin wurden Vorträge und Führungen organisiert. Seit Ende der 1970er Jahre bis 2015 kamen Exkursionen dazu. Zu Beginn stiessen sie auf sehr grosses Interesse, das jedoch im Laufe der Jahre stetig abnahm. Im Laufe der Zeit entstanden im Einzugsgebiet der Historischen Vereinigung Seetal und Umgebung auf relativ engem geografischem Raum mehrere andere kulturelle Einrichtungen mit teilweise gleichen oder sehr ähnlichen Zielen.Aktiv in der Gegenwart
Der Vorstand beschloss 2015 als Ergänzung der bestehenden Tätigkeiten die aktive Vermittlung von Regionalgeschichte aufzubauen und ihr ein starkes Gewicht beizumessen. Erstmals definierten wir Leitideen und setzten konkrete Ziele. Zusammen mit dem Verein Alte Schmitte Seengen, der Steinzeitwerkstatt Boniswil und dem Verein Hansjakob Suter-Sammlung stellten wir 2013 und 2017 die Kulturwerkstatt Seetal in Seengen mit verschiedenen Mitmachangeboten auf die Beine, mit der Kantonsarchäologie Aargau und der Gemeinde Sarmenstorf 2016 den Kulturerbetag in Sarmenstorf. Bald war klar, dass die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen zu fördern ist und jene mit den kantonalen Fachstellen vertieft werden muss. Seit 2017 führen wie jährlich verschiedene Angebote in Kooperation mit dem Museum Aargau (Schloss Hallwyl) durch. Später folgten Kooperationen mit Schloss Heidegg und Poesiesommer Seetal. Die Zusammenarbeit ist für alle Beteiligten mit Synergien verknüpft. 2022 feierten wir 100 Jahre Historische Vereinigung Seetal und Umgebung. In den Jahresschriften 2022 und 2024 wurde die Geschichte unserer Vereinigung dargestellt. Dafür wurde unser umfangreiches Archiv mit Akten und Bildern inventarisiert und 2020 ein Projekt zur Digitalisierung der Archivbestände in die Wege geleitet. Seit 2026 steht das digitale Archiv allen Interessierten zur Verfügung. Es ist für die Wissenschaft, die Orts- und Familiengeschichten von Bedeutung. Der Wissensspeicher umfasst gegen 10'000 Akten, etwa 2'800 Fotos, 22 Stummfilme aus den 1940er Jahren und die Jahresschriften. Nur dank Beiträgen der öffentlichen Hand konnte das Projekt realisiert werden. Auf Neujahr 2023 fusionierte der Verein Hansjakob Suter-Sammlung mit der Historischen Vereinigung Seetal und Umgebung. Diese übernahm mit der Fusion das umfangreiche Objektlager mit historischen Gegenständen aus den Dörfern rund um Schloss Hallwyl. Im gleichen Jahr konnten wir die aktive Vermittlung der Regionalgeschichte verstärken. Am Kulturplatz Dörflistrasse 1, Boniswil, stehen alte Handwerke im Zentrum. Während der Museumssaison von April bis Oktober kann in Workshops Jedermann mit Gegenständen aus dem Objektlager in authentischem Umfeld ausprobieren und erfahren, wie einst Heimarbeit im Seetal ausgeführt worden ist oder wie Naturprodukte veredelt werden können. Auch andere Workshops oder Anlässe wie kleine Ausstellungen oder Lesungen können stattfinden. Erstmals konnten wir 2026 im Rahmen von Ferienpass Seengen spezielle Workshops für Kinder anbieten. Am Frühlingsmarkt Seengen und am Birrwiler Markt im August sind wir seit 2025 anzutreffen und 2026 erstmals am Herbstmarkt im Schloss Hallwyl.

